Beim Stichwort „Barrierefreiheit” stellen sich die meisten zuerst das Bild einer Rollstuhlrampe, den piepsenden Ton einer Blindenampel oder vielleicht das Gefühl einer Brailleschrift an den Fingerspitzen vor. Während solche Hilfen in der physischen Welt für viele Menschen mit allen Arten von Behinderungen kaum wegzudenken sind, kann es im digitalen Dschungel des Internets ganz anders aussehen – hier kann man sich ohne Maus, Monitor und Machete kaum durchschlagen.

Wir beschäftigen uns schon länger mit Web Accessability und den dafür vorhandenen Möglichkeiten. Mit der Neukonzeption unserer Website am Horizont wollten wir der Sache aber mal so richtig gründlich auf den Grund gehen. Wir wollten genau wissen, wie die Gestaltung und Entwicklung von Webseiten, Tools und Technologien funktioniert, sodass alle Menschen unabhängig von unterschiedlichen Vermögen und Fähigkeiten sie benutzen können.

Wie praktisch, dass wir ein eigenes Format zur Weiterbildung unserer CAMAOs haben. In den CAMAO OPENs laden wir interne und externe Expert:innen ein, über ein Thema zu sprechen. In diesem Beitrag haben wir euch die wichtigsten Informationen aus dem OPEN zu „Web Accessability” kompakt zusammengeschrieben.

Die virtuelle Hürde

Es gibt keinen besseren Weg, einen Einblick in das Thema Accessibility und Barrierefreiheit zu gewinnen, als Menschen zuzuhören, die genau darauf angewiesen sind. Wir haben Barrierefreiheit-Testerin Andrea Eberl und IT-Spezialist Yasin Sarikaya eingeladen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Denn sie haben beide eine Sache gemeinsam: Sie sind ihr ganzes Leben lang schon blind.

Internet ohne Bildschirm? Smartphone ohne Display? Schwierig vorzustellen – aber möglich. Egal ob auditiv durch einen Screenreader oder haptisch mit einer Braillezeile: Andrea erklärte uns, über welche verschiedenen Tools sie die vielen Informationen im World Wide Web aufnehmen kann – ob auf der Arbeit, bei der Urlaubsbuchung oder beim Online-Dating.

Viele Webseiten und Apps folgen den Vorgaben für Barrierefreiheit jedoch nicht und sind somit für Tools wie Screenreader schlecht optimiert, beziehungsweise in manchen Fällen gar nicht nutzbar – also nicht barrierefrei. Beispielsweise bieten nur ein Drittel aller Webseiten Alternativtexte an, die eine Voraussetzung dafür sind, dass ein Screenreader Bilder erkennen kann. Doch es kommt noch viel krasser: Insgesamt gelten nur 2 % aller Websites als komplett barrierefrei.

Barrierefreiheit für die Stadt Ulm mit Sitecore

Für eine effektive Umsetzung von Web Accessibility braucht es zuallererst zwar das Bewusstsein dafür, aber auch die richtige Kompetenz: Bei der Entwicklung der Website für die Stadt Ulm mit Sitecore haben wir strikt auf Accessibility-Vorgaben geachtet und dabei sehr viel für zukünftige Projekte gelernt.

Yasin bringt das Problem auf den Punkt: „Man möchte nicht hilflos oder auf die Hilfe anderer angewiesen sein, sondern Dinge selbst erledigen können – selbstbestimmt leben können und die gleichen Dinge tun und Sachen benutzen können wie jede andere Person auch.“

Barrierefreiheit bedeutet also Inklusion und Gleichberechtigung; umso mehr das Internet der zentrale Dreh- und Angelpunkt unseres Alltags wird, desto wichtiger ist es, dass dieses für alle Menschen gleich zugänglich und bedienbar ist.

Accessibility für alle

Web Accessibility ist allerdings nicht nur für Menschen mit Behinderungen relevant – viele Richtlinien und Empfehlungen können zur Verbesserung der allgemeinen User-Experience beitragen, zum Beispiel, wenn wir durch temporäre Einschränkungen oder situationelle Limitierungen andere Navigationsmöglichkeiten für unsere Lieblings-Apps benötigen. Andrea betont: „Viele denken, das wäre ein Zusatz. Für mich ist das kein Zusatz, sondern ich glaube, wenn Internetseiten barrierefrei wären, dann wäre das für alle Menschen ein Gewinn, weil es für jeden einfacher wäre, nicht nur für uns.“

Doch wie setzt man Web Accessibility am besten um? Das erfahrt ihr schon bald hier im Blog:. In einem Follow-up zu diesem Artikel werden wir ein paar Tipps vorstellen, mit denen ihr eure Web-Inhalte barrierefreier gestalten könnt. Dabei gehen wir auf Text, Design und Entwicklung ein, es ist also für alle etwas dabei. Nicht verpassen. 😉

Ihr möchtet euch über Web Accessibility austauschen? Schreibt uns doch unter hello@camao.one! Und wer noch weiterhelfen möchte: schaut auf barrierenbrechen.de vorbei und unterschreibt die Petition zur Pflicht einer Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft.